Donnerstag, 5. April 2012

"WAS GESAGT WERDEN MUSS!"... - Das Gedicht von GÜNTER GRASS und die Pressestimmen dazu...

Günter Grass "Was gesagt werden muss" - Gedicht + Pressestimmen

http://www.youtube.com/watch?v=XdWzvwmeuhs

Gedicht von Günter Grass - "Was gesagt werden muss":

"Warum schweige ich, verschweige zu lange, was offensichtlich ist und in Planspielen geübt wurde, an deren Ende als Überlebende wir allenfalls Fußnoten sind.

Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag, der das von einem Maulhelden unterjochte und zum organisierten Jubel gelenkte iranische Volk auslöschen könnte, weil in dessen Machtbereich der Bau einer Atombombe vermutet wird.
Doch warum untersage ich mir, jenes andere Land beim Namen zu nennen, in dem seit Jahren - wenn auch geheimgehalten - ein wachsend nukleares Potential verfügbar aber außer Kontrolle, weil keiner Prüfung zugänglich ist?...


Das allgemeine Verschweigen dieses Tatbestandes, dem sich mein Schweigen untergeordnet hat, empfinde ich als belastende Lüge und Zwang, der Strafe in Aussicht stellt, sobald er mißachtet wird; das Verdikt "Antisemitismus" ist geläufig.

Jetzt aber, weil aus meinem Land, das von ureigenen Verbrechen, die ohne Vergleich sind, Mal um Mal eingeholt und zur Rede gestellt wird, wiederum und rein geschäftsmäßig, wenn auch mit flinker Lippe als Wiedergutmachung deklariert, ein weiteres U-Boot nach Israel geliefert werden soll, dessen Spezialität darin besteht, allesvernichtende Sprengköpfe dorthin lenken zu können, wo die Existenz einer einzigen Atombombe unbewiesen ist, doch als Befürchtung von Beweiskraft sein will, sage ich, was gesagt werden muß.

Warum aber schwieg ich bislang? Weil ich meinte, meine Herkunft, die von nie zu tilgendem Makel behaftet ist, verbiete, diese Tatsache als ausgesprochene Wahrheit dem Land Israel, dem ich verbunden bin und bleiben will, zuzumuten.

Warum sage ich jetzt erst, gealtert und mit letzter Tinte: Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden? Weil gesagt werden muß, was schon morgen zu spät sein könnte; auch weil wir - als Deutsche belastet genug - Zulieferer eines Verbrechens werden könnten, das voraussehbar ist, weshalb unsere Mitschuld durch keine der üblichen Ausreden zu tilgen wäre.
Und zugegeben: ich schweige nicht mehr, weil ich der Heuchelei des Westens überdrüssig bin; zudem ist zu hoffen, es mögen sich viele vom Schweigen befreien, den Verursacher der erkennbaren Gefahr zum Verzicht auf Gewalt auffordern und gleichfalls darauf bestehen, daß eine unbehinderte und permanente Kontrolle des israelischen atomaren Potentials und der iranischen Atomanlagen durch eine internationale Instanz von den Regierungen beider Länder zugelassen wird.

Nur so ist allen, den Israelis und Palästinensern, mehr noch, allen Menschen, die in dieser vom Wahn okkupierten Region dicht bei dicht verfeindet leben und letztlich auch uns zu helfen."


KRITIK AN GÜNTER GRASS UND SEINEM GEDICHT "WAS GESAGT WERDEN MUSS":

5. April 2012, 11:12 Uhr dpa
"Weiter Kritik an Grass: «Ein Dokument der Rache»
"In einem Beitrag für die «Bild»-Zeitung schrieb der Vorstandsvorsitzende des Medienhauses Axel Springer, Mathias Döpfner, Grass versuche «im raunenden Ton des Moralisten» die Schuld der Deutschen am Holocaust zu relativieren, indem er die Juden zu Tätern mache. Unter dem Titel «Der braune Kern des Zwiebel» schrieb Döpfner, es gehe jetzt nicht mehr darum, was Grass gesagt habe, sondern nur noch, wie die Deutschen darauf reagierten."....

"taz.de - 05.04.2012
Reaktionen auf Grass in Israel
„Seine Meinung ist bedeutungslos"
Weder die Politik noch die meisten Medien in Israel schenken Günter Grass' Text zu Israel und dem Iran große Beachtung. Der Historiker Tom Segev äußert Kritik.....

NZZ Online 4. April 2012, 14:58 " «Ritualmord vor dem Pessach-Fest»
Grass-Gedicht stösst auf breite Kritik -- Israelische Botschaft in Berlin reagiert
Das neue Gedicht des deutschen Literaturnobelpreisträgers Günter Grass zum iranisch-israelischen Atomkonflikt ist umgehend zum Stein des Anstosses in den Feuilletons geworden. Auch Israel hat sich zu Wort gemeldet sowie die deutsche Politik...

"Bildzeitung - Berlin -- Empörung über Literaturnobelpreisträger Günter Grass (84) und sein irres Gedicht „Was gesagt werden muss"!
In seinem Gedicht, das die „Süddeutsche Zeitung" und die italienische „La Repubblica" veröffentlichten, behauptet Grass, Israel gefährde den Weltfrieden, bedrohe den Iran.......

"Der Tagesspiegel" (Berlin): "Ach, Grass. Zu fürchten ist, zu befürchten auch, dass sich hier einer um den Ruhm schreibt, wenigstens um den Ruf....

"Frankfurter Rundschau": "Was da angeblich gesagt werden musste, wäre besser ungesagt geblieben. Politisch ist es Unfug.....

"Offenburger Tageblatt": "Günter Grass ein Antisemit, weil er Israel kritisiert? Weil dem deutschen Literaturnobelpreisträger die Zuspitzung des Atomkonflikts mit dem Iran nicht gefällt? ......

Musik: Chill Carrier-Waves Of Tension (Pt. I)
http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/

Kommentare:

  1. Ich hoffe ihr wisst den Mut dieses Mannes zu schätzen... und seine Bereitschaft seinen "guten Ruf" aufzugeben, um zu ermöglichen, dass die Menschen unserer Gesellschaft sich der Wahrheit über die Geschehnisse im Nahen Osten bewusst werden können. Wie lange wollen sie noch schweigen und jeden diffamieren und berufmorden, der nicht "ihrer" Meinung ist? Sogar solch eine Größe wie Günter Grass wird von heute auf morgen verachtet und nicht mehr ernst genommen, weil sie das so in unsere Köpfe zwingen. Und das obwohl er hier wahrscheinlich den bedeutensten Apell seines Lebens an die Öffentlichkeit gerichtet hat. Man kann davon ausgehen, dass Grass genau wusste was ihm bevorsteht, wenn er das so veröffentlicht, aber das scheint es ihm wert gewesen zu sein, denn... "Es muss gesagt werden!"

    Liebe für Günter Grass!
    Alex

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  2. Anonym4/10/2012

    Ja, ich kann dem Kommentar von Alex nur beipflichten: Wie kann es sein, dass in einem freien und demokratischen Land wie Deutschland ein Schriftsteller mit Häme von den Medien (wohlgemerkt von den Medien!!, denn die Umfragen in der öffentlichen Presse spiegeln eine ganz andere Meinung der Bevölkerung hierzu wieder)und teilweise von den Politikern überzogen wird, nur weil er es wagt, die Führung des Staates Israels zu kritisieren und zum Wohle des iranischen Volkes und des israelischen Volkes um Besonnenheit bittet. Gleichwohl spart er nicht an Kritik an der iranischen Führung. Aber nein, jeder, der es auch nur wagt, Israel und seine Politik zu kritisieren, wird in die Nazi-Ecke geschoben. Dies ist nicht zu fassen.
    Was mir auch zu denken gegeben hat: Wieso wird in unserer sogenannten freien Presse weder das Gedicht von Grass in vollem Wortlaut wiedergegeben noch das Interview zwischen Präsident Ahmadenidschad vom 19.03.12? Auch hier wurden uns von der Presse nur Schlagzeilen geliefert, die Herrn Ahmadenidschad als Kriegstreiber und Irren darstellen. Ich kann jedem nur empfehlen, das Interview mal im ganzen zu lesen, der wird seine Meinung sowohl zu Präsident Ahmadenidschad sowie auch zum Gedicht von Herrn Grass vielleicht ändern.

    Hier ein Auszug aus dem Interview von Herrn Präsident Ahmadenidschad: Ahmadenidschad: "Wir sind prinzipiell gegen nukleare Bomben. Das ist eine unmenschliche Waffe aus unsere Sicht und unmoralisch. Die Atombombe gehört ins letzte Jahrhundert. Wer soetwas versucht, ist zurückgeblieben, zurückgeblieben in der Geschichte, in der Humanität und in der Politik. Aber meine Frage: Warum haben Zionisten (die Israeli) einfach das Recht, anderen Menschen zu drohen?Zeigen die Zionisten Klarheit und Transparenz in ihrer Nuklearfrage? Sie (Israel) haben über 250 atomare Sprengköpfe, ist das kein Problem wenn sie so ausgestattet sind? Oder gibt es ein ungeschriebenes Gesetz, das die Zionisten über allen internationalen Regelungen, Gesetzen und Vorschriften stehen?"

    Abschließend kann ich nur noch sagen, dass ich so langsam das Gefühl habe, dass man uns, sprich die Bevölkerung verkauft. Um was geht es denn eigentlich? Geht es denn wirklich darum, mit einem neuen Krieg begonnen von Israel einen nur eventuellen Krieg zu verhindern, oder geht es vielmehr darum, dem Staat Iran zu diktieren, wie er sich zu verhalten hat und zusätzlich an seine Bodenschätze heranzukommen? Ähnlich war es ja damals auch vor dem Einmarsch in den Irak. Als Kriegsbegründung musste die Vermutung herhalten, dass dass unter Sadam Hussein furchtbare Waffen im Irak lagern, leider wurden diese nie gefunden.
    Meine volle Unterstützung für Herrn Grass und alle mutigen Menschen, die sich nicht verkaufen lassen wollen und dem Mainstream unterwerfen, aus Angst dann in eine Schublade oder sogar Nazi-Schublade gesteckt zu werden!!

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